Segeln auf Mallorca: Törnbericht Portocolom - Cala Varques

Ich bin Juan Mi. Meine Frau und ich führen in Portocolom, an der Südostküste von Mallorca, ein kleines Segel-Unternehmen.

Törnbericht von Juan beim Segeln auf Mallorca

Wir haben zwei schöne Segelyachten und bieten ganzjährig Segelausflüge hier vor der Küste an, die man über sunbonoo buchen kann. Mallorcas Küste mit ihren kleinen „Calas“, das sind kleine Buchten, die hier an der Ostküste meist einen feinsandigen Strand und türkisblaues Wasser haben, gehört für mich zu den schönsten Segelgebieten im Mittelmeer. Ich bin seit über 25 Jahren Skipper und liebe meinen Beruf. Was gibt es Schöneres, als jeden Tag vor der Küste unserer Lieblingsinsel ein bisschen von der Faszination, die ich für mein Schiff, seine Segel, das Meer und den Wind empfinde, an unsere Gäste weiterzugeben?

Es ist kurz nach 10 Uhr, als ich im Naturhafen von Portocolom über den Holzsteg zu meiner 49 Fuß langen Segelyacht laufe. Lorena, unsere Angestellte, ist noch dabei, das Deck auf Hochglanz zu bringen und wir plauschen noch ein paar Minuten, bevor ich unter Deck den heutigen Tagestörn vorbereite: Ein letzter Check, ob sich an den Prognosen für Wind und Wetter etwas verändert hat, bevor die ersten Gäste an Bord eintreffen. Heute habe ich eine bunt gemischte Gruppe von Gästen an Bord: eine deutsche Familie mit zwei kleinen Kindern, drei junge Italienerinnen, ein Schweizer Pärchen und einen britischen Stammgast, der schon so oft mit uns zum Segeln auf Mallorca war, dass er schon zur Familie gehört.

Beim Check-in an Bord schreibe ich mir zuerst die Namen aller Gäste auf, damit ich sie mir besser einprägen kann. Wir werden schließlich die nächsten 7 Stunden zusammen verbringen. Ich erkläre den Gästen, dass sie sich auf dem Schiff komplett frei bewegen können und vom Bug zum Heck überall sitzen können, wo sie mögen. Wir haben ganz vorn am Bug ausserdem einen kleinen Holzsitz. Als ich den erwähne und darauf hinweise, das er dafür da ist, um den „Titanic-Flieger“ zu machen, kichern die drei Italienerinnen vielsagend und wollen am liebsten gleich wieder hoch an Deck. Aber zuerst muss ich den Gästen noch zeigen, wo die Rettungswesten sind und wie die Toilette funktioniert. Sicherheit geht vor! Wir besprechen in der großen Runde auch noch die Route, die ich für heute geplant habe. Ich frage die Gäste, ob jemand sehr empfindlich für Reise- oder Seekrankheit ist, dann kann er jetzt noch vorsorgen.

Nun kann es endlich losgehen! Ich starte den Motor und zwei Gäste helfen mir dabei, die Leinen loszumachen und abzulegen. Wir nehmen Kurs auf den Faro (Leuchtturm) von Portocolom und fangen an, das Großsegel zu hissen. Heute gibt es nicht besonders viel Wind, aber er wird ausreichen, um uns Richtung Norden in die Cala Virgili / Cala Varques zu bringen. Beim Segel hissen zeigt sich schon, dass das Schweizer Paar sehr motiviert ist, bei unserem Segeltörn auf Mallorca auch etwas zu lernen. Mein Stammgast Ian kennt das Schiff bestens. Auch er reicht immer gerne eine Hand und packt beim nächsten Manöver mit an. Wir haben die Hafenbucht von Portocolom verlassen und nehmen nun vor der felsigen Küste Fahrt auf. Die deutsche Familie war unter Deck noch etwas länger beschäftigt als alle anderen, nun kommen aber auch sie an mit den beiden Jungs an Deck. Dem Kleinen haben wir eine Kinderschwimmweste angezogen. So sind seine Eltern entspannter und der kleine Mann kann sich etwas freier an Bord bewegen. Ich schaue in leuchtende Augen, als ich die beiden frage, wer zuerst das Schiff lenken möchte. Für den Rest der Fahrt Richtung Norden habe ich die beiden angehenden Kapitäne an meiner Seite.

Segeln Mallorca Törnbericht

Ich erkläre ihnen ein paar Grundlagen über die Richtung von Wind und Segeln und welchen Punkt sie beim Steuern des Schiffes anpeilen sollen. Die Eltern der beiden sind nun schon viel entspannter und haben sich zu uns gesetzt. Wir unterhalten uns über die Küste, ich zeige ein paar markante Punkte an Land und es wird diskutiert, auf welcher Seite der Insel es nun wirklich schöner ist. Wir haben heute kaum Wellen und so können die drei Italienerinnen auch bei voller Fahrt vorn am Bug Sonnenbaden. Die Seeluft ist salzig, aber erfrischend. Sonst brennt die Sonne schon ziemlich heiß für Anfang Juni.

Nach etwas mehr als 1,5 Stunden Segelzeit kommen wir an der Cala Varques an. Wir haben Glück, heute sind nicht so viele Schiffe und Boote in der Bucht und wir finden ein schönes Plätzchen zum Ankern. Nachdem ich mit Hilfe einiger Gäste das Schiff vor Anker gelegt habe, hole ich erst mal die Polster aus der Kabine unter Deck. Ich reiche kühle Getränke, Oliven und einen kleinen Snack als Aperitif nach oben an Deck, um es uns gemütlich zu machen. Die drei italienischen Mädels haben sich  mittlerweile mit dem Schweizer Paar angefreundet. Sie beschließen direkt, das Wasser zu testen. Die Familie mit den beiden Jungs kommt mit mir unter Deck. Während ich das Mittagessen vorbereite, ziehen sich die vier in ihrer Kabine um. Auch die Jungs wollen vor dem Essen noch ins Wasser. Ich bereite den Salat frisch zu und schneide das Brot auf. Die ersten Gäste kommen schon wieder aus dem Wasser als ich Geschirr, Besteck und den Salat hoch an Deck bringe. Bevor ich wieder nach unten gehen kann, muss ich zuerst noch als Fotograf herhalten – Gruppenfoto!

Die Albondigas (Fleischbällchen) sind nun im Ofen und oben an Deck wird sich angeregt unterhalten. Ich gebe noch mal eine kühle Flasche Weißwein nach oben, bevor ich die Albondigas serviere und die Pasta in den Ofen schiebe. Sehr lecker, die Gäste sind wie immer begeistert von unserem Menü. Marie, die Schweizerin, fragt mich sogar nach dem Rezept für die Pasta und ich erzähle ihr, dass es von meiner Frau ist. Sie soll mir doch ihre E-Mail-Adresse aufschreiben, dann schicken wir ihr das Rezept später zu. Das findet Marie prima. Nach dem Essen helfen alle mit, das Geschirr wieder unter Deck zu bringen, zwei der Italienerinnen helfen mir sogar beim Spülen. Die anderen Gäste genießen oben an Deck noch ein bisschen den Nachmittag, bevor wir wieder alles nach unten räumen und uns zum Ablegen klarmachen. Nach etwa 2 Stunden vor Anker verlassen wir die Cala Varques. Ich habe nun Marie am Steuer des Schiffes und wir halten auf die Cala Virgili zu, eine traumhafte Bucht ein paar Meilen weiter südlich.

Nach etwa einer halben Stunde fahren wir in die Bucht ein. Türkisfarbendes Wasser und der Meeresgrund scheint zum Greifen nah. Hier in der Cala Virgili gibt es eine kleine Höhle, in die man eintauchen kann. Ich erkläre kurz, wie man zur Höhle gelangt. Nachdem wir das Schiff wieder vor Anker gelegt haben, werden die Schnorchel und Brillen ausgepackt. Alle Gäste springen noch mal ins Wasser, nur Ian bleibt an Bord. Ich bereite inzwischen Kaffee und Kuchen vor. Während des Kaffeetrinkens sind die beiden Jungs der deutschen Famile damit beschäftigt, Fische mit den Brotresten vom Mittagessen anzulocken. Das Abenteuer mit der Höhle hat bei den beiden  Piratenstimmung aufkommen lassen.

Der Rückweg nach Portocolom schürt das Piratenfieber noch und als wir um kurz vor sechs am Leuchtturm vorbei in die Hafenbucht von Portocolom einlaufen, spiele ich einen Song aus dem Soundtrack von Pirates of the Caribbean. Grandios! Die kleinen Piraten sind Feuer und Flamme. Wir holen das Großsegel ein und machen die Fender fest. Als wir wieder am Steg anlegen, sind sich alle Gäste einig: Das war der schönste Tag ihres Urlaubs! Und für mich war es wieder ein Beweis, dass es sich lohnt, meine Begeisterung für das Segeln weiterzugeben.

 

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